Against the Walls - Günter Heinz Trio

Foto: M.Creutzige

Against the Walls - Günter Heinz Trio

Kulturzentrum MonAmi, Weimar

BAUHAUS trifft JAZZ

Für den Musiker Günter Heinz war der 9. November 1989 gleich in mehrfacher Hinsicht ein bedeutungsvolles Datum.Bereits einen Monat zuvor war er einer der Künstler, die in der Berliner „Erlöserkirche“ für den 4. November die Organisation der grossen Berliner Demonstration beschlossen.

Günter Heinz war in jenen Tagen aber auch in Dresden, einem seiner wichtigsten späteren Wirkungsorten, aktiv. So stand er am 8.Oktober mit Hannes Zerbe u.a. auf der Bühne der “Tonne” ( diese Zeit ist bestens dokumentiert auf der Website des Jazzclubs Tonne unter dem Stichwort wendejazz). Doch in Nacht des 9. November 1989 trafen sich schliesslich Vorgesehenes und Unvorhersehbares, persönlicher Erfolg und Geschehen von Weltgeschichte. Günter Heinz, bereits einige Jahre freiberuflich als Musiker tätig, erlebte sein erstes Jazzkonzert mit seiner ersten „eigenen“ Formation, dem Günter Heinz-Quartett, bei einem Festival des Berliner Jazzclubs im Filmtheater „Babylon“, nur wenige hundert Meter von der Berliner Mauer entfernt. Während die Musiker vertrackte melodische und harmonische Wendungen erfanden, die Zuhörer staunten, nebenher den Meldungen aus mitgebrachten Kofferradios lauschten, geschah was viele gehofft und nur wenige geahnt hatten: die Mauer fiel !Nach dem Konzert von Günter Heinz und seinem Quartett stand eigentlich noch der Pianist Walter Norris auf dem Programm, doch der Saal des Filmtheaters Babylon leerte sich plötzlich, auf der Bühne ein einsames, verlassenes Radio, das die neuesten Ereignisse kommentierte. Die Aufnahme von diesem Konzert, 2002 beim Label Bad Alchemy (in Ausschnitten) erschienen, dokumentiert eindrucksvoll die Spannung des Tages.

Wer hat nicht gehört von den Posaunen von Jericho ?
Doch Mathias Bäumel, der Musikjournalist, der Günter Heinz seit vielen Jahren begleitet, beschreibt ihn als „eher stillen Neuerer“…

Das Geschehen des 9. November 1989 eröffnete auch für Günter Heinz neue Wege, neue Begegnungen, persönlich wie beruflich. Er lebte 2 Jahre als Komponist in der Schweiz, forschte an der TU Chemnitz wieder als Mathematiker, hielt Vorträge über Geometrie in Palermo und Barcelona, fand in New York im Jahr 2000 einen seiner engsten Musikerfreunde, Lou Grassi, führte im grossen Saal des Tschaikovski-Konservatoriums mit einer bezaubernden russischen Tänzerin seine Komposition „Atem der Nacht“ auf, komponierte Glockenkonzerte für Freiberg, Stralsund und Greifswald, für das Festspielhaus Hellerau die Kammeroper „Wittgenstein – eine Collage über das mathematische Denken und Fühlen“…
Im Herbst 2019, 30 Jahre nach den bedeutsamen Tagen, stellt er unter dem Titel A g a i n s t t h e W a l l s ein neues Projekt vor. Es wird Erinnerungen wecken, aber auch in die Zukunft weisen.


Günter Heinz - Posaune, Flöte
Pat Thomas - Electronics
Rodger Turner - Schlagzeug

Der Pianist und Elektronik-Musiker Pat Thomas ist seit den 80er Jahren in der britischen Jazz-, Improvisations- und Elektronikszene aktiv, in- und ausserhalb Europas bekannt durch seine Auftritte bei zahlreichen Festivals und jährlich 4-5 CD-Veröffentlichungen. Besonders wichtig für seine Entwicklung war die Zusammenarbeit mit Derek Bailey und Tony Oxley, mit Phil Minton, Fred Frith, Even Parker, John Russell und Roger Turner.

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