VICKI - KRISTINA - BARCELONA +++The Songs of Tom Waits

Foto: Albie Mitchell

VICKI - KRISTINA - BARCELONA +++The Songs of Tom Waits

Schallerscher Erbenhof Brauhausgasse 10, Weimar

VICKI - KRISTINA - BARCELONA
The Songs of Tom Waits

SONGS:
https://open.spotify.com/artist/2UfqKDLtAM654FiiTBaClE?si=uPsLXyXGTwu4U5EIO_lbNg

YOUTUBE:
https://www.youtube.com/watch?v=k6vzkHML3zo
https://www.youtube.com/watch?v=weOeKIT7YS0
https://www.youtube.com/watch?v=mETqd7RgyKk

Tom Waits! Wer denkt da nicht gleich an eine versoffene, von Alkohol- und Nikotineinfluss bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit strapazierte Männerstimme? Wenn sich drei Sängerinnen und Musikerinnen dieser Ikone einseitig verstandener Männlichkeit annehmen, ist also ein besonderer Abend zu erwarten.

New Yorkerin Rachelle Garniez
Die gebürtige New Yorkerin Rachelle Garniez ist eine Genre-Erzählerin, die mit allen Instrumenten, die sie findet, Musik machen kann.
Amanda Homi
Die ursprünglich aus Großbritannien stammende, glamouröse Nomadin Amanda Homi ist zutiefst von globalen Rhythmen und Formen inspiriert.
Gitarristin Terry Radigan
Die in Brooklyn geborene Gitarristin Terry Radigan wechselt in frühen Jahren in die professionelle Songwriter-Szene von Nashville, wo sie Auszeichnungen und eine Grammy-Nominierung erhält. Sie kehrt später zu ihren rauen, strauchelnden Wurzeln zurück und bringt einen rauchigen Teint mit, der den Sound der amerikanischen Landschaft in den Songs verankert.

Alles passt zusammen !
Der Programmtitel schien verwirrend. Was hat ein Woody Allen Film mit Tom Waits zu tun? Und wie würde es klingen, wenn sich drei US Frauen des riesigen Werks des so kaputt wirkenden Musikers mit der versoffenen Stimme annehmen? Am Ende des Auftritts des Trios im Kino Traumstern passte alles auf höchst genussvolle Weise zusammen.

Rachelle Garniez schnallt sich ihr Akkordeon um . Terry Radigan ihre E-Gitarre, Amanda Homi bedient ein Standschlagzeug mit weiteren Klangkörpern aus Holz und Metall sowie ein Harmonium. Das Trio beginnt mit melancholischen "Yesterday is Here" vom 1987er Album "Franks Wild Years". Schon das Original ist berückend schön, aber der präzise, nie artifiziell wirkende dreistimmige Gesang der Frauen erhöht die Wirkung noch beträchtlich. Das abgründige "Way Down in the Hole" mit fast unversehrter Trang-Gitarre und "Du-duh" Gesang stammt ebenso vom genannten Album wie das zum Heulen schöne "Innocent When you Dream" im Zeitlupen-Dreivierteltakt. VKB haben sich, wie sie später erzählen, bei der Auswahl der Songs mal von der Musik, mal von den Texten leiten lassen. Aber es fällt auf, dass die Lieder meistens aus der Zeit nach 1985 stammen - nachdem der 1949 geborene Kalifornier mit seiner Frau und Co-Komponistin, Kathleen Brennan, nach NYC gezogen war.

Die Verbindung zu Woody Allen ist offentsichtlich, die Wahl des Bandnamens Anspielung auf die komplexen Beziehungen dreier Frauen zu einem Mann in "VickiKristinaBarcelona"

Bei VKB gefällt vor allem die Abwechslung: In vielen Stücken wechselt Garniez an das sechssaitige Banjo, und Homi Gehör für stimmige Details, etwa die Kuhglocke, begeistert immer wieder. Zum steinerweichenden "Temptation" tanzt sie schlangengleich mit Kastagnetten auf und vor der Bühne. Terry Radigan bleibt ihrer einzigen Bühnengitarre treu, der sie präzise Rhythmen und Arpeggio entlockt. Das Nach- und Miteinander der drei Stimmlagen ist eine weitere Wohltag - vor allem für diejenigen, die mit Tom Waits wegen dessen bellender Whiskey und Zigarren-Röhre eher fremden. Zudem singen VKB die Texte sehr deutlich.

Besonders charmant gerät der Abend aber auch wegen des Drahts, den die Musikerinnen zum Publikum aufbauen. Sie haben - auch wegen der langen Zwangspause - spürbar Spaß am Spielen vor einem aufmerksamen Publikum und ebenso offentlichlich auch an Deutschland. Radigan bezeichnet New Jersey augenzwinkernd als das Bielefeld von New York, und Garniez ist ganz stolz, jetzt das Wort "Quetschkommode" zu kennen. Ihr Satz "Wir sind Glückspilze" gilt nach 90 Minuten für die Band genauso wie für die Fans.

 

 

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